29.06.2026
Suizidprävention in Deutschland verankern: Bündnis fordert bundesweite Rufnummer und verlässliche Finanzierung
Jedes Jahr sterben in Deutschland mehr als 10.000 Menschen durch Suizid, weit über 100.000 Menschen unternehmen einen Suizidversuch. Vermutlich die wenigsten haben vor einem Suizid oder Suizidversuch bei den bestehenden Angeboten des Gesundheitswesens mit ihrer Suizidalen Krise Hilfe gesucht oder Hilfe gefunden. Ein breites Bündnis verschiedenster Akteure fordert nun eine bundesweite Rufnummer und eine verlässliche Finanzierung für eine bundesweit koordinierte und verlässliche Struktur für die Suizidprävention.
In einer Pressemitteilung zur Vorstellung von Fachlichen Empfehlungen des Bündnisses werfen die Akteure folgende Fragen auf: "Was müssen wir tun, um mehr Menschen in suizidalen Krisen zu erreichen? Was ist notwendig, um suizidpräventive Maßnahmen strukturell und nachhaltig in Deutschland zu integrieren und zu verankern?"
„Es darf in Deutschland nicht vom Wohnort oder vom Zufall abhängen, ob Menschen in suizidalen Krisen schnell qualifizierte Unterstützung finden. Wir brauchen eine verlässliche, bundesweit erreichbare Struktur statt befristeter Einzelprojekte“, erklärte Barbara Schneider von der geschäftsführenden Leitung des Nationalen Suizidpräventionsprogramm (NaSPro) für das Bündnis.
Suizidalität ist ein gesellschaftliches Problem. Suizidpräventive Maßnahmen müssen sektorübergreifend geplant und umgesetzt werden. Dennoch fehle bislang eine dauerhaft finanzierte, bundesweit koordinierte und verlässliche Struktur für die Suizidprävention. Fachexpertinnen und -experten haben deshalb aus den Perspektiven der Suizidprävention, der medizinischen Versorgung, der psychosozialen Unterstützung und der Hospiz- und Palliativversorgung zusammengearbeitet.
Daraus entstanden in einem Jahr gemeinsame Empfehlungen für die politisch Handelnden in Bund und Ländern. Die Empfehlungen wurden im Auftrag der am Bündnis beteiligten Verbände den Abgeordneten des Bundestages überreicht.
Beteiligt sind: TelefonSeelsorge Deutschland e.V., Malteser, Deutscher Hospiz- und Palliativverband (DHPV), Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS), Nationales Suizidpräventionsprogramm NaSPro), Deutsche Akademie für Suizidprävention (DASP), Deutscher Caritasverband (DCV), Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin(DGP), und Werner-Felber-Institut e.V. (WFI) sowie MANO - Suizidprävention / Niedrigschwellige Suizidprävention e.V.
Einrichtung einer Fachstelle Suizidprävention des Bundes
Im Kern der Empfehlungen steht die Einrichtung einer Fachstelle Suizidprävention des Bundes. Diese soll Wissen bündeln, Qualität sichern, Umsetzung koordinieren und die zivilgesellschaftlichen Strukturen der Suizidprävention einbeziehen
„Deutschland verfügt über erhebliche fachliche Expertise und viele engagierte Angebote. Was fehlt, ist eine verbindliche Struktur, die diese Angebote entwickelt, finanziell absichert, verbindet und bundesweit zugänglich macht.“, so Georg Fiedler, Geschäftsführer der Deutschen Akademie für Suizidprävention (DASP).
Im Mittelpunkt steht die Einrichtung einer bundesweit koordinierten und einheitlichen Rufnummer zur Suizidprävention, gesetzlich verankert und dauerhaft finanziert. Sie soll Menschen mit Suizidgedanken, An- und Zugehörige, Hinterbliebene nach Suizid sowie beruflich oder ehrenamtlich mit Suizidalität konfrontierte Personen erreichen.
Die Rufnummer soll anonym, kostenfrei, jederzeit zugänglich und fachlich qualifiziert sein. Über die Rufnummer sollen passende Unterstützungsangebote sichtbar gemacht, Zugänge erleichtert und regionale sowie bundesweite Strukturen besser miteinander verbunden werden.
Weitere Empfehlungen umfassen die Entwicklung der Palliativversorgung, den Ausbau der niedrigschwelligen Suizidprävention, eine bessere Verzahnung der medizinisch-somatischen, psychiatrisch- psychotherapeutischen und psychosozialen Versorgung, den Einbezug von An- und Zugehörigen, den Ausbau der Methodenrestriktion und die Verbesserung der Datengrundlage.
Die 26-seitigen Empfehlungen verstehen sich als Beitrag zur Entwicklung einer nationalen Suizidpräventionsstrategie und eines Suizidpräventionsgesetzes.
Weitere Informationen:
Fachliche Empfehlungen für eine Verbesserung der Suizidprävention in Deutschland
26 Seiten (PDF-Format), veröffentlicht am 26.06.26
CDL-Themenrubrik Sterbehilfe & Suizid





