16.07.2026
Nach Fällen prominenter CDU-Politiker: CDL fordert Schließung von Gesetzeslücken bei Leihmutterschaft im Ausland
Berichten zufolge hat der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, ein Kind von einer Leihmutter im Ausland gekauft. Hierzu nimmt Susanne Wenzel, die Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben e. V. (CDL), wie folgt Stellung:
„Nach dem Bundesbeauftragen für Sucht und Drogen, Prof. Dr. Hendrik Streek, ist nun der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, über eine Leihmutterschaft Vater geworden. Beide sind nicht nur prominente Vertreter der CDU, sondern haben darüber hinaus auch wichtige politische Funktionen inne. Deshalb geht ihre private Entscheidung über ihre persönliche Lebenssituation weit hinaus.
Auf dem CDU-Bundesparteitag in Stuttgart im Februar 2026 haben die Delegierten die Forderung der CDU bekräftigt, die Leihmutterschaft in Deutschland weiterhin uneingeschränkt zu verbieten, völlig unabhängig von der Motivation. Ziel dieses Beschlusses war es u. a., Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken für Frauen zu verhindern.
Zwei Bundestagsabgeordnete, also Mitglieder der Legislative, umgehen das deutsche Recht, indem sie für eine in Deutschland illegale Praxis in ein Land ausweichen, in dem Leihmutterschaft erlaubt ist. Welchen Bestand haben die vom Bundestag beschlossenen Gesetze, wenn Abgeordnete bestehende Lücken nutzen, diese zu umgehen?
Noch vor wenigen Jahren hat Jens Spahn sich gegen die Legalisierung der Leihmutterschaft ausgesprochen. Wäre es da nicht nur konsequent, bei sich dieselben Maßstäbe anzulegen, die man auch für die Bürger anlegt?
Beide Politiker haben durch ihr Verhalten – wenn auch ungewollt – dem Ansehen unserer Rechtsordnung einen erheblichen Vertrauensverlust zugefügt, da sie den Eindruck erwecken, dass für unsere politischen Entscheidungsträger offenbar andere Maßstäbe gelten als für den Bürger.
Beide Fälle zeigen allerdings das tatsächlich bestehende Problem: Die in Deutschland geltende Rechtslage lässt unzulässige Spielräume. Diese Lücken müssen nun schnellstens geschlossen werden.
Das Europäische Parlament hat in seiner Richtlinie zur Verhütung und Bekämpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer die Leihmutterschaft auf eine Stufe mit dem Menschenhandel gestellt. Die zuständige Berichterstatterin für Gewalt gegen Frauen und Kinder bei den UN, Reem Alsalem, bezeichnet in ihrem im Herbst 2025 erschienen Bericht die Leihmutterschaft als eine neue Form des Menschenhandels und der Sklaverei. Sie fordert deshalb ein weltweites Verbot aller Formen der Leihmutterschaft. Erst vor wenigen Wochen haben vier Länder, darunter Italien, dem UN-Menschenrechtsrat in Genf ein internationales Moratorium der Leihmutterschaft vorgelegt. In Italien ist die Leihmutterschaft ausnahmslos verboten. Seit 2024 wird auch unter Strafe gestellt, wenn ein Paar für ein Leihmutterschaftsgeschäft ins Ausland ausweicht.
Die CDL fordert die unionsgeführte Bundesregierung auf, dieses Moratorium zu unterstützen und ferner in Deutschland bestehende gesetzliche Lücken zu schließen, die bisher eine Umgehung des deutschen Verbotes durch die Inanspruchnahme von Leihmüttern im Ausland ermöglichen.“
Weitere Informationen:
CDL-Themenrubrik Adoption und Leihmutterschaft





