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22.09.2020

2,8 Prozent mehr Abtreibungen im 2. Quartal 2020 als im Vorjahresquartal

Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland lag im 2. Quartal 2020 mit rund 25.100 gemeldeten Fällen um 2,8 Prozent höher als im 2. Quartal 2019. Dies teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) am 14.09.20 mit.

Demnach sind in diesem Ergebnis im geringen Umfang nachträglich gemeldete Daten aus dem 1. Quartal 2020 enthalten, da aufgrund der Corona-Pandemie nicht alle auskunftspflichtigen Arztpraxen und Krankenhäuser ihre Daten fristgerecht gemeldet hatten. Unter Berücksichtigung dieses Effektes liegt die Zunahme der Zahl der Abtreibungen im 2. Quartal 2020 gegenüber dem 2. Quartal 2019 etwa 0,5 Prozentpunkte niedriger, so Destatis.

Wie die Statistiker ausführen waren 70 Prozent der Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen ließen, zwischen 18 und 34 Jahren alt, 19 Prozent waren zwischen 35 und 39 Jahren. Acht Prozent der Frauen waren 40 Jahre und älter, drei Prozent waren jünger als 18 Jahre. Rund 41 Prozent der Frauen hatten vor dem Schwangerschaftsabbruch noch kein Kind zur Welt gebracht.

96 Prozent der gemeldeten Abtreibungen wurden nach der sogenannten Beratungsregelung vorgenommen. Eine medizinische Indikation oder ein Sexualdelikt war in den übrigen vier Prozent der Fälle die Begründung für den Abbruch.

Mehr als die Hälfte der Schwangerschaftsabbrüche, d.h. 54 Prozent, wurden mit der Absaugmethode (Vakuumaspiration), ein Drittel (33 Prozent) wurde medikamentös durchgeführt, vor allem mit dem Mittel Mifegyne® (30 Prozent). 97 Prozent der vorgeburtlichen Kindstötungen erfolgten ambulant, davon knapp 82 Prozent in Arztpraxen beziehungsweise OP-Zentren und knapp 16 Prozent ambulant in Krankenhäusern.

Kritik der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA): „Offensichtlich gibt es genügend Abtreibungseinrichtungen in Deutschland“

Kritik an den neuesten Abtreibungszahlen kam von der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA). Die offizielle Abtreibungsstatistik für das zweite Quartal 2020 sei „entlarvend“. Besonders erschütternd sei der Anteil der chemischen Abtreibung, bei dem die Frau selbst abtreibt.

„Bei diesem Verfahren muss die Frau zu Hause ein Präparat einnehmen, das starke, sehr schmerzhafte Blutungen auslöst und zu nicht unerheblichen Komplikationen bis hin zum Tod führen kann. Vor wenigen Wochen starben zwei Engländerinnen nach Einnahme der Abtreibungspille. Zudem belegt die Statistik auf eindrucksvolle Weise, dass das Beratungsmodell, bei dem schwangere Frauen eine „ergebnisoffene“ Beratung durchlaufen, wenig dazu beiträgt, das ungeborene Leben effektiv zu schützen“, heißt es in der ALfA-Pressemitteilung vom 15.09.20.

Auch die Forderung nach einer besseren „Versorgung“ mit Abtreibungseinrichtungen werde durch die Statistik widerlegt: Eine Steigerung der Abtreibungszahlen um über 2 Prozent lasse sich nur schwerlich erreichen, wenn gleichzeitig die Versorgung nicht ausreichend ist.

„Wer angesichts der Zahlen immer noch davon spricht, die Gesetzeslage in Deutschland sei zu wenig liberal und nicht frauenfreundlich genug, handelt in Wahrheit frauenfeindlich. Frauen leiden an Abtreibungen, nehmen hohe gesundheitliche Risiken bis hin zum Tod durch Abtreibungspräparate in Kauf und Kinder sterben dabei. Als Gesellschaft sind wir gefordert, dieses Leid weitestgehend einzudämmen: bessere Beratung, mehr Hilfe, mehr Schutz des ungeborenen Lebens sind dringend vonnöten“, so Cornelia Kaminski, die Bundesvorsitzende der ALfA.

„Beim Marsch für das Leben am kommenden Samstag in Berlin gibt es eine gute Gelegenheit, für dieses Anliegen ein Zeichen zu setzen.“

Ergänzende Informatiomnen:

CDL-Themenrubrik Abtreibung